Angelika WagenerAngelika Wagener: meine „Biographiereise“

Geboren 1967 in Freiburg im Breisgau ist mein Leben schon früh voller Gegensätze und Herausforderungen.

Musik, Kunst, Sprache geben mir Kraft, Halt und kreativen Ausdruck: ich werde musikalisch gefördert, lerne drei Instrumente und drücke mich in Bildern und Geschichten aus, schreibe Tagebuch und sammle Texte, um Erlebtes zu verarbeiten –

Ab meinem 8. Lebensjahr erschüttern mich die Tode mehrerer naher Familienmitglieder, darunter auch der meines Vaters. Der sprachlose Umgang damit und andere familiäre Tabus verunsichern mich. Verlustängste gehören zu meinem Leben.

Doch der Schmerz lässt mich wachsen: Als hochsensibles Kind suche ich stets die Wahrheit hinter dem Offenkundigen. Ich entscheide mich , durch alle schweren Erfahrungen hindurch, immer für das Leben, werde zur (Er-)Forscherin und Pilgerin, die sich mit unerschütterlicher Phönix aus der Asche-Qualität immer wieder in neue Zusammenhänge begibt, wenn das Leben den nächsten Entwicklungsschritt verlangt. Was authentisch ist, zeigt mir in jeder Lebensphase den Weg.

Lebenslinien

„Was brauchen Kinder zum Lernen und um sich in ihrem Inneren zu beheimaten?“ Mit dieser Frage zieht es mich mit Anfang 20 nach Stuttgart wo ich beginne, Schulmusik zu studieren. 1990 führt mich mein Weg an die Pädagogische Hochschule Weingarten, wo ich 1993 mein Studium der Grund- und Hauptschulpädagogik mit dem Ersten Staatsexamen abschließe. Danach absolviere ich mein Referendariat, das ich 1995 mit dem zweiten Staatsexamen abschließe.

Erste Berufserfahrungen jenseits des Schulalltags sammle ich von 1995 – 1998 in der Heilpädagogik. Ich arbeite mit sozialen Randgruppen, zunächst im Katholischen Kinderheim in einer Wohngruppe von Sozialwaisen, dann in der dortigen heilpädagogischen Tagesstätte. Ich bilde mich in „ System -und wachstumsorientierter Familientherapie in der Heim- und Heilpädagogik“ weiter, widme mich der Montessori-Pädagogik.

Parallel bin ich musikpädagogisch aktiv: leite über die Jahre Chöre und Ensemblegruppen für Menschen jeglichen Alters in Steppach. Nach einem Jahr an einer Montessorischule merke ich, wie meine Frage, was Kinder wirklich brauchen, nach weiteren Antworten sucht. Ich wage deshalb den Schritt, als freiberufliche Musikpädagogin mein „Musikmobil“ im Augsburger Land zu gründen. Kinder, Heranwachsende und Erwachsene in ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten, sich musikalisch auszudrücken und dabei die eigene Stärke und Selbstwirksamkeit zu entdecken, wird nun beruflich mein Herzblut. Schließlich sind es diese musischen Mittel , die mir selbst bei meinem Heranwachsen geholfen haben, mich aufzubauen, den Boden unter den Füßen nicht zu verlieren und mich eingebettet in ein tragendes Miteinander zu erleben. Von musikalischer Früherziehung und Instrumentalunterricht für jedes Alter bis zu musischen Workshops (Verbindung von Kunst, Musik, Sprache) für Familien und Musikunterricht an einer Montessorischule im Aufbau reicht meine Angebotspalette.

In meiner persönlichen, spirituellen Weiterentwicklung wird spätestens mit Mitte Dreißig (um die Jahrtausendwende) deutlich, dass ich die traditionellen Wege immer mehr verlasse, mich intuitiv führen lasse. Dabei begegnen mir sehr gute LehrerInnen, wie meine erste wichtige spirituelle Lehrerin und Körpertherapeutin Renate Köckeis. Deren Begleitung und Fortbildungen wie „Körperorientierte Ausdrucksmethoden im Beruf“ , „Peperoni statt Frust“ zeigen mir, dass sich bei meinen „ Forschungen“ neue Fragen auftun:

„Wie und in welchem Kulturmodell will ich unterwegs sein? Wo bin ich beheimatet bzw. stimmen die bisherigen Zusammenhänge noch?“

Auch in der Literatur finde ich wichtige Wegweiser in Deepak Chopra, Jon Kabat-Zinn, Maitreyi D. Piontek, Louise L. Hay.

Mit 38 Jahren (2005) steht ein großer Umbruch, die nächste Forschungsreise an:
ich will meinem künstlerischen Wirken und auch meinem spirituellen Unterwegs sein einen neuen Rahmen geben. Ich ziehe in der Nähe von Berlin ins ZEGG, die Gemeinschaft und das Bildungszentrum im Fläming, in dem mir dieses andere Kulturmodell mit seiner umfassenden Verbindung von Musik, Kunst, Spiritualität, nachhaltiger und forschender Liebes- und Lebensweise am passendsten auf meine Fragen erscheint.

Künstlerisch betrete ich neues Terrain: freies Improvisieren und Spielen ist nun der musikalische Schwerpunkt. Ich gründe Bands, spiele in Ensembles und das Zusammenwirken mit Künstlern aus anderen Bereichen rückt in den Vordergrund. Ich arbeite in der vielfältigen Fläming Musikszene mit Tänzern, bildenden Künstlern, Autoren zusammen. Bei der freien Regisseurin Julia Strehler entwickle ich die Musik zu Theaterstücken. Ich baue mir eine Workshoptätigkeit auf und bin mit meinem Trio „Conspiracy of love“ um den israelischen Singersongwriter Ofer Golany und der Kulturpädagogin und Musikerin Sonja Poland aus dem Augsburger Umland deutschlandweit unterwegs.

Sinnlichkeit, Erdverbundenheit und Engagement für einen Bewusstseinswandel in der Gesellschaft wird für mein künstlerischen Wirken essentiell. Menschen aus der Gemeinschaft und Tagungsreferenten wie Scilla Ellworthy und Manitonquat beeindrucken mich nachhaltig.

Nach drei Jahren verlasse ich die Gemeinschaft für ein freies Netzwerk von Künstlern, Musikern, Gestaltern eines neuen, nachhaltigen Kulturmodells, in dem ich meine kreativen Ressourcen besser entfalten kann.

2009 Geburt meiner Tochter, Nest- und Netzwerkbildung rücken in den Vordergrund. Ich gebe Instrumentalunterricht, wirke in einem Theaterprojekt mit und bin in Bands aktiv.

2011 Umzug nach Berlin, den Lebensumständen angepasst arbeite ich als Grundschullehrerin.

2015 Der Ansturm von Menschen aus Syrien und anderen Krisengebieten wirft für mich die Frage auf:. „Wie antworte ich auf die offensichtlich neuen Aufgaben unserer Gesellschaft angesichts der Heimatsuche dieser Menschen?“

2016 Ich suche Antworten bei interkulturellen Projekten wie dem Sommerchorprojekt „Singalong, Berlin!“ und dem „Begegnungschor Berlin e.V.“ aus Neu- und Altberlinern.

Gemeinsam mit Projektleiter Michael Betzner-Brandt, meinem späteren Mann, erforsche, entwickle und teste ich musikalisch und kreativ Schritt für Schritt Elemente für meine künftige Arbeit.

Ab 2017 ehrenamtliches Engagement bei „Singalong, Berlin!“ und in der Kulturwerkstatt für Flüchtlingskinder und Jugendliche „Peace Train Berlin e.V.“ Ich will wissen, ob die Begleitung von Menschen über Musik, Kunst -für mich auf der Seite der Mitorganisatorin der richtige berufliche Weg ist.

Mit 50 Jahren lasse ich mich vom Schuldienst beurlauben – es ist mein 1. Schritt zum Ausstieg aus dem Schuldienst 2018.

Es folgen zwei Jahre, in denen ich mich in vielerlei Hinsicht frei ausprobieren kann.

Zu meinen künstlerischen Ausdrucksmitteln, meiner Gabe, Erfahrungen zu reflektieren und beschreiben, kommen neue Ansätze.

Angestoßen durch die Astrologin Caroline Raasch beginne ich, meine Familiengeschichte aufzuschreiben.

In meiner Biographiearbeit führe ich zusammen, was ich über Jahrzehnte in meinen Tagebüchern notiert und verarbeitet habe. Ich setze mich Überschriften findend mit familiären, in der Eltern- und Großelterngeneration auch kriegsbedingt ausgelösten Traumata auseinander und erkenne den Schatz meiner musischen Begabungen, den mir meine Familie neben all den schmerzhaften Themen mitgegeben hat, auch hierfür nochmal neu.

Ich lasse mich durch Körpertherapeuten und Autoren, wie Stefanie Stahl („Das Kind in dir muss Heimat finden“) begleiten und erfahre tiefgehende Heilungsprozesse, begreife die Tabus und Traumata meiner Familie auf neuer Ebene , finde Worte für das Unausgesprochene. Ich verstehe, mit welcher Kraft und Zähigkeit ich mich über die Jahrzehnte befreit habe und dabei auch für andere Menschen, die Ihr Leben tiefer begreifen wollen, einen großen Erfahrungsschatz anzubieten habe.

Die ersten Ideen zu musisch-sinnlichen Biographiereisen entstehen.

2018 lerne ich den spirituellen Lehrer und Körpertherapeuten Frank Fiess kennen, bei dem ich mich zusammen mit meinem Mann Michael in Integrativer Körperpsychotherapie weiterbilde.

Diese Ausbildungsgruppe wird zu meiner neuen spirituellen Weggemeinschaft . Mein Weiterforschen gilt nunmehr verstärkt den Methoden für Selbstheilungsprozesse. Chakrenarbeit wird dabei zur Grundlage für meine eigene spirituelle Praxis. Die schemenhaften Entwürfe für meine Arbeit nehmen nun konkrete Gestalt an und dies manifestiert sich schließlich kurz darauf.

Im Herbst 2018 gründe ich mein „Atelier der Sinne“. Kraft meines gelebten Wissens, und der Werkzeuge, die mir in meinem Leben geholfen haben, eröffne ich Erfahrungsräume, begleite Erwachsene auf dem Weg in die tiefere Verbindung mit sich und ihren Sinnen.

Mein Vision ist, Menschen zu bestärken, geerdet und verbunden mit sich und der Welt in die Gesellschaft hineinwirken zu können und damit idealerweise auch einen Beitrag für einen besseren Zustand unseres Planeten zu leisten.

Vielleicht, ganz im Sinne meines Namens, als „Botin, die etwas wagt“.

 

Vita Angelika Wagener

Musikerin, Musikpädagogin, Lehrerin

Geboren 1967 in Freiburg im Breisgau, eine Tochter (geb. 2009), lebt in Berlin

Ausbildungen

1987-1990 — Schulmusikstudium an der Musikhochschule Stuttgart bis zur Ersten Teilprüfung

1990-1993 — Lehramtsstudium für Grund- und Hauptschule in Weingarten, 1. Staatsexamen

1994/ 1995 — Referendariat in Meckenbeuren, 2. Staatsexamen

Berufserfahrungen & Fortbildungen

1995-1998 — im heilpädagogischen Bereich: Arbeit im Katholischen Kinderheim Augsburg auf einer Sozialwaisengruppe und in der Heilpädagogischen Tagesstätte

1998/1999 — Hort in Diedorf bei Augsburg

1998-2000 — Diplomkurs Montessoripädagogik über die Pädagogische Akadamie Ingolstadt

1999/2000 — Montessorischule Dinkelscherben

2000-2005 — als freiberufliche Musikpädagogin mit meinem „Musikmobil“ im Augsburger Land unterwegs, Netzwerken mit Institutionen, Mitarbeit in der Montessorischule Augsburg als mobile Musikkraft, zwischenzeitlich durch personellen Engpass der Montessorischule Kommissarische Schulleitung

2002/2003 — Fortbildung „Körperorientierte Ausdrucksmethoden im Beruf“ bei Renate Köckeis

2005-2008 — Mitgestalten im ZEGG als Musikerin, interdisziplinäre Künstlerin, Mitgründung der Bands „balkantare“, „flair du flaemonde“

Aufbau eigener Workshoptätigkeit im Fläming

Ab 2007 – 2017 — eigene Konzerttätigkeit mit dem Trio „Conspiracy of love“ mit dem israelischen Singersongwriter Ofer Golany und der Musikerin & Kulturpädagogin Sonja Poland, Kutzenhausen bei Augsburg

2009 — nach Geburt meiner Tochter Instrumentallehrerin, Mitwirkung an Theaterprojekten der freiberuflichen Schauspielerin und Regisseurin Julia Strehler

2011-2017 — Montessorilehrerin in Berlin, jeweils 3 Schuljahre an der Internationalen Montessorischule (IMS) Berlin und der Teltow Grundschule Berlin-Schöneberg

2017 — Beurlaubung vom Schuldienst, ehrenamtliche Tätigkeiten als Assistenz beim Chorprojekt „Singalong, Berlin!“ und in der Kulturwerkstatt für Flüchtlingskinder und Jugendliche „Peace Train Berlin e.V.“

Seit September 2018 — Jahrestraining/ Ausbildungsprogramm für Lösungsorientierte, integrative Körperpsychotherapie (IKPT) „Liebe & Erfolg“ bei Frank Fiess